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SKULPTURENBRÜTER
– Nisthöhlen im Skulpturenpark Gerisch

Skulpturen zum 20-jährigen Stiftungsjubiläum

HERBERT GERISCH SKULPTURENPARK | 24536 Neumünster | Brachenfelder Str. 69
Vernissage 16. Mai 2021 um 11Uhr | Geöffnet Mi bis Fr 11-17 Uhr und Sa/Son 11-18 Uhr

TITEL: Ansichten + Rezension + Nisthöhlen + Flyer + Über den Park

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ANSICHTEN:

Skulpturenbrüter #10Skulpturenbrüter #11Skulpturenbrüter #12
Skulpturenbrüter #15Skulpturenbrüter #20Skulpturenbrüter #23
Skulpturenbrüter #24Skulpturenbrüter #26Skulpturenbrüter #28

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REZENSION:

Arie Hartog, Gerhard Marcks Haus, Bremen, 2021: Die „Skulpturenbrüter“ | Das große Thema der Skulptur ist die Präsenz. Was geschieht, wenn ein Betrachter auf ein Kunstwerk trifft? Wie zeigt das Werk seine Anwesenheit? Wie wirkt es? Diese Fragen bezogen sich früher mehr auf einzelne geformte funktionslose Gegenstände, heute immer mehr auf Situationen, die jemand wahrnimmt. Die imaginären Skulpturen von Birgit Ramsauer sind aber nicht der letzte Schritt in einem Auflösungsprozess der Bildhauerei. Sie sind umgekehrt eine Rückbesinnung auf die Rolle von Vorstellung, Fantasie und Leiblichkeit. Dazu folgende Überlegung: 1968 packte der Bildhauer Tony Smith (1912-1980) die Angaben zu seiner Arbeit „Die“ in ein kurzes Telefonat mit einem Schlosser („Kubus aus Eisenplatten, Kantenlänge 183 cm“). Einige Wochen später wurde das Werk geliefert. Nicht der Metallwürfel, sondern das Telefongespräch ging in die Geschichte der Konzeptkunst ein. Und die Frage unter Kunsthistorikern ist, ob man dieses Kunstwerk gesehen haben muss, um es zu verstehen.

Im Fall der imaginären Skulptur hört ein Betrachter, was er sich in der Situation, in der er steht, liegt oder sitzt, vorstellen könnte. Er sieht etwas (einen bunten Porzellannistkasten, aber auch den Baum daneben, beziehungsweise die Brücke links) und lauscht einer sich langsam entfaltenden kurzen Geschichte. Es ist keine Anweisung, sondern ein Vorschlag, das Setting, in dem er sich befindet, alternativ wahrzunehmen, „wegzuträumen“ oder sich bewusst zu werden, dass es auch anders sein könnte. Die Erzählung legt einen direkten Bezug zur Leiblichkeit des Betrachters und während der genannte Kubus von Smith eine maximal distanzierte Produktionsweise repräsentiert, steht die imaginäre Skulptur für eine individuelle, intime und körperliche Erfahrung. Sie zeigt sich darin, dass man sich auch nach Jahren nicht mehr daran erinnert, wie die Geschichte ging, aber sehr genau weiß, wie man sich dabei fühlte. Das Werk schafft Anwesenheit. Und da die Umstände bei jeder imaginären Skulptur anders sind (Haltung, Licht, Wetter, Wohlbefinden) ist sie wortwörtlich unwiederholbar.

Es wird immer deutlicher, dass Menschen auf Situationen nicht nur intellektuell, sondern körperlich-emotional reagieren. Das gilt auch für den Kunstkontext. Je mehr neue Besucher kommen, denen die kunsttheoretischen Implikationen des Telefongesprächs von 1968 egal sind, desto mehr wird das Bewusstsein dafür wachsen. Ramsauers imaginäre Skulpturen sind besucherorientierte performative Kunst mit reduzierten Mitteln. Sie entstehen in der Wahrnehmung, in einem Bereich zwischen Sehen, Hören und der Erfahrung der Position des eigenen Körpers im Raum oder in der Landschaft. Nicht als präzise Setzungen im Sinne des Kubus, sondern als eine Übung in gedanklicher Beweglichkeit. (Katalog, OutsideIn, 20 Jahre Herbert Gerisch Siftung, 2021)

ÜBER DEN REZENSENTEN: Dr. Arie Hartog (geb. 1963 in Maastricht), studierte Kunstgeschichte an der Universität Nijmegen (KUN), wo er 1989 das „Doctoraalexamen“ ablegte und zum Thema „Moderne deutsche figürliche Bildhauerei“ promovierte. Von 1992 bis 1995 arbeitete Hartog als “Junior docent“ für Architekturgeschichte und Museumskunde an der KUN, bis er 1996 nach Bremen als Kustos zum Gerhard-Marcks-Haus wechselte. Seit Oktober 2009 ist er Direktor des Gerhard-Marcks-Hauses. Sein Forschungsschwerpunkt ist die Geschichte der Bildhauerei im 20. Jahrhundert.

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NISTHÖHLEN:

Skulpturenbrüter Typ 1Skulpturenbrüter Typ 2
Typ 1: 30x20x23cm, Einflugloch 4,5x5,5cm                       Typ 2: 26x24x20cm, Einflugloch 4,5x4,0cm

Auf der Rückseite ein 8cm großes rundes Loch zum Reinigen des Kastens, mit einem runden Korkdeckel verschließbar. Zwei Löcher zum Einfädeln eines Stahlseils. Durch die besondere Dicke der Porzellan-
schicht sind die Skulpturen fürs Freie geeignet und gegen Hagel und herabfallende Äste gefeit.

Skulpturenbrüter Typ 2Skulpturenbrüter Typ 2Skulpturenbrüter Typ 2

31 Vogelnistkästen aus der Porzellan Manufaktur Nymphenburg in Farben nach der Lehre Johannes Ittens markieren an Gebäuden, Bäumen und Wasserläufen besondere Hörstationen. Damit startet das Soundprojekt „Skulpturenbrüter“ der Performance Künstlerin Birgit Ramsauer, das keine Audio-Guide Führung nach klassischem Muster bietet, sondern die Besucher*innen per App zu einem poetisch-lyrischen Rundgang mit Texten zu Architektur, Natur, Wasser und Kunst einlädt. Das Team der Gerisch-Stiftung freut sich sehr auf dieses außergewöhnliche Soundprojekt, das den Sprung in das digitale Zeitalter einläutet. Kunst für die Menschen – warum nicht auch für die Vögel im Park? Das Stiftungsteam ist sehr gespannt, ob die Vögel das „künstliche“, vom Ornithologen geprüfte Zuhause annehmen.

Die Edition: Nistkasten, Skulptur, in 2 Formen, in 31 Farben, je 1.200,-- Euro
Von Ornithologen empfohlen - eine Meise ist bereits eingezogen.
Verkaufsstelle: Nymphenburger Porzellanmanufaktur 089-1791970.

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ÜBER DEN SKULPTUREN PARK: Neumünster besitzt einen Skulpturen-Park internationalen Zuschnitts. Motor dieses für Schleswig-Holstein einmaligen Kulturengagements ist die 2001 gegründete Gerisch-Stiftung mit Sitz in Neumünster, der zugleich Wohnort des Stifterpaares Brigitte und Herbert Gerisch ist. Der frühere Vorstands- und heutige Ehrenvorsitzende des BIG-BAU-Konzerns Herbert Gerisch möchte dazu beitragen, das ehemalige Textil- und Lederzentrum Schleswig-Holsteins zu einer „Stadt der modernen Skulptur“ zu machen. 2002 haben Brigitte und Herbert Gerisch begonnen, eine auf jährlichen Zuwachs hin konzipierte Skulpturensammlung aufzubauen. Die Sammlung umfasst Arbeiten von Künstlern internationalen Rangs, darunter Magdalena Abakanowicz, Horst Antes, Ian Hamilton Finlay, Anne und Patrick Poirier, Mimmo Paladino, Manolo Valdés, Menashe Kadishman, Markus Lüpertz und Katsuhito Nishikawa. Mit der Neueröffnung des Parks und unter der damaligen Leitung von Dr. Martin Henatsch sind neue künstlerische Arbeiten von Olaf Nicolai, Bogomir Ecker, Thomas Stimm, Brigitte Kowanz und Carsten Höller hinzugekommen. Von 2015 bis 2016 leitete Prof. Claus Friede die künstlerischen Geschicke der Stiftung.
Die Skulpturen-Sammlung ist behutsam in den drei Hektar großen Landschaftspark des Stifterpaares integriert. Mit der Wiederherstellung des historischen Reformgartens des Lübecker Gartenarchitekten Harry Maasz wurden die räumlichen Übergänge zwischen dem bestehenden Skulpturenpark und dem restaurierten historischen Garten neu formuliert. Das im Stil des englischen Landschaftsgartens angelegte, ehemalige private Terrain mit seinen verschlungenen Wegen, Holzbrücken, Seerosenteichen und versteckten Bänken zum Verweilen geht nun übergangslos in den denkmalwürdigen Reformgarten über. mehr

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